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Eine andere Art zu leben – Teil 1

Eine andere Art zu leben,  Krishnamurti 

 

A. W. Anderson: Am Ende unseres letzten Gesprächs haben wir uns die Beziehung zwischen Leben, Liebe und Tod näher angesehen. Ich hoffe, wir können heute damit fortfahren und es zur Transformation des Menschen, unserem ständigen Anliegen, in Beziehung setzen.

 

Krishnamurti: Wie immer, ist dies eine vielschichtige Frage: Leben – was es bedeutet und was es tatsächlich ist –, Liebe und dieses enorme Problem des Todes. Jede Religion hat einen tröstenden Glauben, hat tröstende Ideen angeboten in der Hoffnung, sie würden für die Angst, den Kummer und alles, was mit dem Tod zusammenhängt, eine Lösung sein. Ich denke, wir sollten mit der Frage beginnen, was Leben ist, und von dort aus auf Liebe und Tod übergehen. Sollten wir nicht eigentlich das betrachten, was wir heutzutage Leben nennen, was tatsächlich stattfindet?  

 Was wir Existenz, Leben nennen, diese zwei Worte decken das ganze Feld des menschlichen Bemühens ab, sich selbst zu bessern. Nicht nur technisch, sondern ebenso psychisch möchte der Mensch sich verändern, möchte er mehr sein als er ist. Wenn wir den Menschen in irgendeinem Land betrachten, welcher Rasse oder Religion er auch immer angehören mag, sehen wir: Es ist ein unablässiges Ringen vom Augenblick der Geburt bis zum Augenblick des Todes. Es ist ein Kampf, nicht nur in den intimen oder anderen Beziehungen zu anderen Menschen, sondern auch wirtschaftlich, sozial und moralisch ist es eine große Schlacht. Ich denke, dem stimmt jeder zu. Es ist offensichtlich. Der Konflikt, das Ringen, das Leiden, der Schmerz, die Frustration, die Seelenqual, die Verzweiflung, die Gewalt, die Brutalität, das Töten, all das ist es, was wirklich vor sich geht.

 

Vierzig oder fünfzig Jahre in einem Büro oder in einer Fabrik verbringen, gelegentliche Ferien für einen Monat, und das auf abenteuerliche Weise, weil Ferien die Reaktion auf ein eintöniges Leben sind. Man sieht sie überall in Europa: Amerikaner, die von einem Museum zum anderen gehen, sich dieses ansehen, jenes ansehen, herumrennen auf der Flucht vor der Eintönigkeit ihrer täglichen Routine. Und sie fahren nach Indien. Ich glaube, da gibt es ungefähr 15000 merkwürdig gekleidete sogenannte Hippies in verschiedenen Klöstern und Städten, wo sie die phantastischsten Dinge tun. Einige von ihnen verkaufen Drogen, ziehen sich indische Kleider an oder verkleiden sich als Mönche. Es ist eine Art großer romantischer, sentimentaler Flucht vor ihrem täglichen eintönigen routinierten Leben. Das nennen wir Leben: Den Kampf innerhalb der Beziehung, den Kampf im Geschäftsleben, im wirtschaftlichen Umfeld. Es ist ein ständiges Ringen.

 Das Elixier

Rundschreiben an Freund und Bekannte "Der Beginn"


 A. W. Anderson: Aber was Sie gesagt haben, scheint im Leben selbst enthalten zu sein. Es gibt den Spruch: »Das Leben ist ein Kampf«, und wir interpretieren ihn so, wie Sie es ausdrückten.

 

Krishnamurti: Und niemand scheint sich zu fragen, warum es so ist? Wir alle haben es akzeptiert. Wir sagen: »Ja, das gehört zu unserer Existenz. Wenn wir nicht kämpfen, werden wir zerstört. Es ist Teil unseres natürlichen Erbes. Beim Tier sehen wir, wie es kämpft, und wir sind teilweise noch Tier, teilweise noch Affe und so müssen wir also weiter kämpfen, kämpfen, kämpfen.« Wir haben uns nie gefragt, ob das richtig ist! Ist das die Art zu leben? Ist das die Art, sich zu verhalten, die Schönheit des Lebens zu würdigen?

 

A. W. Anderson: Gewöhnlich geht es nur darum, wie der Kampf noch effektiver geführt werden kann.

 

Krishnamurti: Effektiv oder erfolgreich, mit möglichst geringem Schaden, unter geringster Anstrengung, ohne Herzversagen … Aber der Boden ist für den Kampf vorbereitet. Die Mönche machen es so, die religiösen Leute tun es, die Geschäftsleute, die Künstler, die Maler, jeder Mensch, in welche Schublade er auch immer passen mag, befindet sich im Kampf. Und das nennen wir Leben. Und jemand, der das auf intelligente Weise betrachtet, würde sagen: Um Gottes willen, das ist nicht die richtige Art zu leben, lasst uns herausfinden, ob es eine andere Art zu leben gibt. Aber keiner fragt das. Ich habe mit vielen Politikern und vielen Gurus überall auf der Welt gesprochen. Ich habe mit Künstlern, mit Geschäftsleuten, mit Handwerkern, mit Arbeitern und mit sehr, sehr armen Leuten gesprochen. Es ist ein ständiger Kampf, bei den Reichen, den Armen, der Mittelklasse, den Wissenschaftlern. Und niemand sagt, das ist falsch, das ist kein Leben. Es ist zum Verrücktwerden.

 

Teil 2, 3 und 4 in den nächsten Tagen

 

Quelle: http://www.jkrishnamurti.de/ALn13-1.1051.0.html

 

 

Link zum 2. Teil von "Eine andere Art zu Leben"

Link zum 3. Teil von "Eine andere Art zu Leben"

 

 


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